Game of Thrones - beste Serie aller Zeiten?

Die Serien-Verfilmung von George R.R. Martins Roman-Epos „Das Lied von Eis und Feuer“ mit dem Titel „Game of Thrones“ beherrscht weltweit die Rankings der „Besten Serien aller Zeiten“ und erzielt mit jeder neuen Staffel Rekorde. Ob illegale Downloads oder Pay-TV-Einschaltquoten – die epische Fantasy-Serie ist auch mit der fünften Staffel erfolgreich wie nie.

Als Serien-Nerd schaue ich die Sendung natürlich auch und verfolge die Abenteuer der Starks, Lennisters und Targaryiens mit jeder Menge Spannung. Nun muss ich aber nach fast fünf Staffeln und langem Überlegen die blasphemische These aufstellen: die Sendung ist allgemein überschätzt. Bevor ihr nun alle Buh schreit und mich und meine Sippe verdammt, lasst mich meine Argumente kurz anführen…

Achtung: In diesem Blog-Beitrag geht es vor allem um die aktuelle, 5. Staffel von Game of Thrones. Ab hier herrscht absoluter SPOILER-ALARM! Du schaust Staffel 5 noch? Dann lies ab hier nicht mehr weiter!!!

Wer „Das Lied von Eis und Feuer“ zumindest teilweise gelesen hat (Ober-Geeks, die wirklich alle 10 deutschen Ausgaben und die 5 Prequel-Novellen durch haben, mögen sich bitte zwecks Beweihräucherung melden!), kann bestätigen, dass die Erzählweise, bei der sich kapitelweise die Abenteuer der Protagonisten abwechseln, gut gewählt ist. Dadurch, dass man simultan über die Entwicklungen der vielen Protagonisten auf dem Laufenden gehalten wird, kommt keine Langeweile auf und man lernt die komplexen Beziehungen zwischen den vielen Parteien auf Westeros und den anderen Kontinenten aus mehreren Perspektiven kennen. Die Bücher sind atemberaubend detailliert und gut geschrieben und mehr als empfehlenswert.

Dieses Prinzip wurde auch in der Serie übernommen und wirkte anfangs neuartig und erfrischend. Nach nunmehr fast fünf Staffeln muss ich aber feststellen: Der Plot kommt einfach viel zu schleppend voran. Man verliert schnell den Überblick über die Geschehnisse und muss sich jedes Mal erneut an einen Handlungsstrang heran kämpfen. Dazu ist die Liste der Charaktere und derer Namen schwerer zu behalten als die der aktuellen Bundesminister. Und da in den Dialogen Figuren öfters nur namentlich erwähnt werden, ist es nicht immer einfach der Handlung zu folgen.

Selbstverständlich können in der knappen Stunde, die eine Episode dauert, auch nicht alle Schauplätze behandelt werden und so zieht sich das Tempo der Serie außerordentlich in die Länge. Hinzu kommt, dass eine Staffel „nur“ zehn Folgen beinhaltet und es so dazu kommt, dass sich der Inhalt einer Season mit einigen knappen Sätzen umschreiben lässt.

Was ist bisher in Staffel 5 geschehen? „Netto“ eigentlich nicht viel:

  • Mit Cerseis politischem Schachzug, eine fundamentalistische Sekte zu bewaffnen, ist sie zwar ihre verhasste Schwiegertochter Margaery los geworden, landet nun aber wegen Inzest selbst im Kerker.
  • Ihr Lover, schrägstrich Bruder Jaime versucht in geheimer Mission die gemeinsame Tochter aus Dorne zu befreien, die hat da aber gar keinen Bock drauf.
  • Kleinfinger hat Sansa Stark wieder nach Winterfell gebracht, wo diese den psychopathischen Sadisten und Besatzer heiraten muss.
  • Es stellt sich heraus, dass Baelish damit eine krasse Rochade abzieht um am Ende selbst irgendwann Wächter des Nordens zu werden.
  • Arya lässt sich Karate Kid-mäßig zur Super-Ninja-Meuchelmörderin ausbilden.
  • Daenerys hat immer noch Probleme die ehemalige Sklaven-Stadt ordentlich zu regieren, nun stößt aber Tyrion zu ihr, der ihr mangels anderer Perspektiven beim Regieren helfen will.
  • Und Jon Snow muss als Lord-Commander der Nachtwache ein Bündnis mit den Wildlingen auf den Weg bringen, was wohl so schwer ist, wie eine Einigung im Tarifstreit der Bahn zu erzielen. Vielleicht hilft ihm der plötzliche Großangriff der Weißen Wanderer mit deren Zombie-Armee dabei.

 

Was nun eigentlich mit dem magisch begabten Bran und seinem Kumpel Hodor läuft, wurde in Staffel fünf bisher komplett ausgelassen. Ich kann mir gut vorstellen, dass das der Schocker fürs Finale wird. Und da in dieser Staffel noch nicht viele Hauptcharaktere dran glauben mussten, müssen wir uns da wohl auch noch auf einiges einstellen.

Weshalb man die selbst auferlegte Begrenzung von nur zehn Folgen so strikt einhält, ist mir ein Rätsel. Material ist bekanntlich in Massen vorhanden. Die Nachfrage der Fans wird auch nicht das Problem sein, weswegen HBO mit Sicherheit auch kein Problem damit hätte, Sendeplätze freizuschaufeln. Ist es der nicht unerhebliche Aufwand, der bei den Dreharbeiten betrieben wird?

In einem Special, was vor Ausstrahlung der aktuellen Season gezeigt wurde, bekommt man einen Eindruck davon, wie krass der logistische Bohei ist, den die Produzenten veranstalten: Zwei Production-Units drehen gleichzeitig in Kroatien und Spanien, während an einem dritten Drehort in Irland bereits alles vorbereitet werden muss. Hunderte von Mitarbeitern müssen nicht nur regelmäßig durch die Weltgeschichte geflogen werden, sondern auch noch Tonnen von Equipment an teilweise unzugängliche, historische Schauplätze geschleppt werden. Offenbar hat man aber trotz des Erfolges strikte Kostenpläne einzuhalten. Mir fiel zum Beispiel auf, dass mit Sequenzen, die Jons Schattenwolf oder die Drachen von Daenerys zeigen, stark gegeizt wird. Sind den Produzenten etwa die Kosten für die entsprechenden CGI zu hoch?

 

Nichtsdestotrotz ist Qualität generell kein Thema, über das man sich bei dieser Serie beschweren darf: Kostüme, Schauspieler, Szenenbild – alles erste Güte. Spannung und Sympathie für die Charaktere sind durchgehend vorhanden. Auch den Vorwurf, dass zu oft geliebte Figuren überraschend wegsterben finde ich unangebracht, ähnlich wie bei „The Walking Dead“ hält diese Unvorhersehbarkeit nach dem Prinzip „niemand ist sicher“ die Spannung konstant aufrecht.

Insgesamt würde ich meine Beziehung zu Game of Thrones also als eine Art Hassliebe beschreiben. An Ende jeder Staffel denke ich: nett. Ein krasser Cliffhanger kommt aber selten zustande, was wohl auch mit den abgehackten Erzählsträngen zu tun hat. Trotzdem freue ich mich jedes Jahr sehr darauf, dass es bald weiter geht und verschlinge die Folgen dann nacheinander. Als beste Serie aller Zeiten kann ich „GoT“ aber auf gar keinen Fall feiern, dafür fehlt mir einfach zu oft der Überraschungs-Faktor und das unbändige Bedürfnis sofort die nächste Folge sehen zu müssen. Eine richtige Bindung zu einer der Figuren konnte ich bisher auch nicht so recht aufbauen, den Charakteren kann in den kurzen Episoden einfach nicht genug Tiefe gegeben werden.

Nun ja, freuen wir uns einfach auf das Staffelfinale. Valar Morghulis!

 

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