Baltic Sea Circle Teil 3: Hält die Maschine?

Baltic Sea Circle S.A.CNERD.DE auf großer Fahrt: Joachim und Marc aus unserem Team nehmen am so genannten "Baltic Sea Circle", der Rally des "Superlative Adventure Clubs" teil. Das bunte Teilnehmerfeld legt in 16 Tagen 7.500 km durch 10 Länder um die Ostsee zurück, Start und Ziel sind jeweils der Hamburger Fischmarkt. Wichtigste Regeln: Das Auto muss cool und älter als 20 Jahre sein, es sind weder GPS noch Autobahnen erlaubt. Team NERD.DE ist unter der Startnummer 101 standesgemäß in einem Audi V8 im Boba Fett-Design unterwegs und meldet sich regelmäßig hier in unserem Blog.

Nach ewigen Stunden vorbei an den sehr sehr geilen Landschaften Schwedens und Norwegens, erreichen wir schließlich ganz gespannt den Polarkreis. Wir befinden uns nun offiziell in der Polarregion. Die Nächte werden immer kürzer und Nachtdunkel gibt es gar nicht mehr. Die innere Uhr spielt verrückt, man will um 3 Uhr morgens immer noch nicht schlafen gehen. Die milde Luft und das beste Trinkwasser der Welt sollten an dieser Stelle erwähnt werden. Die Natur ist rau, weitgehend von Menschenhand unberührt und einfach nur schön anzuschauen.

Unser Kultmobil, der Audi V8, nimmt die Kurven, Hügel und Talfahrten sportlich mit. Immer wieder hustet er blauen Dunst hinten raus, was bedeutet, dass Öl verbrannt wird. Sollen wir uns Sorgen machen? Neben vielen Nächten im Zelt bei Sturm und Regen, gönnen wir uns auch mal das ein oder andere Hotel. Später wird uns noch sehr deutlich das Preis-Leistungsverhältnis in Schweden, Norwegen und Russland auffallen. In Russland bekommen wir deutlich mehr für unser Geld.

Ein ganz besonderes Erlebnis sind die Lofoten. Mit einer Fähre setzen wir über und fahren Richtung Hof Gimsøy um dort unsere Rallye-Kollegen zu einer Party zu treffen. Es gibt Grillgut, Bier und Wikinger-Spiele. Die Sonne lacht uns auch morgens um 4 noch ins Gesicht. Wir haben eine Aufgabe aus dem Roadbook erfüllt: 24 Flaschen Bier heil und ungeöffnet zur Party zu bringen. Die Kiste ziehen wir mit ein paar Freunden auf Null und sammeln das Leergut ein, denn wenn wir alle Leerflaschen wieder am Fischmarkt auf Sankt Pauli abliefern, gibt es weitere Punkte.

Auf den Lofoten scheint auch in der Nacht die Sonne.
Auf den Lofoten scheint auch in der Nacht die Sonne.

Am nächsten Tag nach einer unruhigen Nacht im Zelt und einer Katzenwäsche, geht es dann Richtung Nordkapp. Die Temperaturen fallen jetzt merklich schnell gen Null. Die Strecke dorthin empfehlen wir allen, die den Nachfolger von Herr der Ringe drehen wollen, da die Landschaft dafür genug Potential bietet.

Das Nordkapp selbst ist total uninteressant und nur was fürs Fotoalbum: hunderte Touris, die in Bussen angekarrt werden, um für knapp 30 Euro pro Person einen Blick aufs Meer zu werfen.

Unsere Aufgabe: ein Foto vor dem Globus am Nordkapp. Klingt einfach aber das Gelände ist abgesperrt und nicht für Autos zugelassen. Einige Teams finden eine Lücke und rasen Richtung Globus. Wir hängen uns ran und stellen fest, dass die Aktion echt dumm ankommt. Der Wachmann erklärt den Rallyefahrern, dass er schon mächtig Ärger habe, weil so viele Autos auf das Gelände fahren, dennoch lässt er uns die Fotos schießen. Peinlich berührt, in dem Gedanken, dass man als dummer Deutscher im Ausland die wilde Sau spielt, verlassen wir den Spot eher im Walk of Shame denn als Abenteurer.

Das Nordkap
Touristenfalle Nordkapp.

Nun heißt es Richtung Süden. Wir fahren die 140 km zurück, die wir herkamen.

Dann stellen wir fest, dass der V8 nun Ölverlust hat. An einer Tanke spricht uns ein Norweger auf den Audi an. Er selbst hat einen 100er. Spontan spreche ich ihn auf den Ölverlust an. Spontane Aktionen helfen oft: ihm gehört die KfZ Werkstatt neben der Tanke. Er schaut sich den Wagen von unten an. Seine Diagnose: das Hydrauliköl leckt hinten aus einer Leitung. Wir sollten das im Auge behalten. Wir sollten jedenfalls grünes Hydrauliköl (speziell Audi) dabei haben. Leider ein schwieriges Unterfangen, denn an Tankstellen gibt es sowas nicht in Norwegen. Wir passieren die Grenze zu Finnland und sind wieder in Europa. Landschaftlich ist es ähnlich. Wälder über Wälder. Wir suchen einen Funkturm, an dem man wildcampen kann. Ein paar andere Teams sind bereits da und wir machen uns eine Dose Ravioli auf dem Gaskocher warm. Was keiner wusste: die Partymeute bläst zur Attacke. Wummernde Bässe, Gelächter und Gehupe halten uns vom Schlaf ab. Um 4 Uhr stehen wir auf und verlassen den Platz weil wir früh an der russischen Grenze sein wollen. Team NERD.DE fährt morgens schließlich als erstes über die Grenze. Freundlich und professionell werden wir abgefertigt und der V8 einer Sichtkontrolle unterzogen. Der Grenzer deutet auf den Kofferrauminhalt: "Camping Equipment?".

So ist es: Ravioli Dosen, unser Camping Tisch, Gasgrill usw. sind eher uninteressant für ihn und so dürfen wir weiter.

Was jetzt kommt ist kaum zu beschreiben: jede Kraterlandschaft auf dem Mond ist eine Autobahn im Vergleich zu der Piste, die jetzt folgt. Trotz Rallyefeeling müssen wir aufpassen: der Hobel hat immerhin 26 Jahre auf dem Buckel. Nach 150 km übelstem Geruckel kommen wir in Kola (kein Witz) an. Die Tour über Stock und Stein fordert ihren Tribut: der Audi leckt jetzt wie Lassie. Das Hydrauliköl ist nun komplett leer: so kann man nicht mehr fahren. Unsere Kolonnengefährten helfen uns wo es geht. Wir beschließen erstmal ein paar Pelmeni zu essen. Ein Team in einem umgebauten Krankenwagen nimmt uns mit zum Hotel, am nächsten Tag zur Werkstatt und wieder zu unserem Auto.

Das freundliche Team 91
Frank und Eberhard von Team 91 haben uns riesig geholfen, sie fahren einen alten schweizer Krankenwagen.

Glücklicherweise kann uns der Audi Händler helfen. Mit Videoanruf in unserem Hamburger Büro und Hilfe unserer Kollegin Ira, die fließend russisch spricht, können wir den freundlichen Leuten vor Ort erklären, wo das Problem liegt. Nach 5h ist der Audi wieder fit. Währenddessen werden wir mit Keksen und Kaffee versorgt. Der Manager kann erstaunlich gut Englisch (was eine absolute Seltenheit auf unserer Tour sein wird) und unterhält sich mit uns über Gott und die Welt.

Das freundliche Audi-Team in Murmansk.
Ohne diese freundlichen Mitarbeiter von Audi in Murmansk sähen wir alt aus.

Mit einem halben Tag Verspätung geht es nun Richtung Sankt Petersburg.

Wir übernachten in einem kleinen Ort in einem Hotel und brechen am nächsten Tag wieder auf. Der V8 läuft total unrund, blaue Wolken dampfen aus dem Endrohr. Die Drehzahl pendelt  im Leerlauf zwischen 0 und 500 Umdrehungen. Irgendwas ist im Argen. Mit dem Gefühl, dass der Wagen nun endgültig abraucht, fahren wir weiter. Nach ewiger Googelei, hoffen wir, dass es leidglich eine Zündkerze ist und der Bock nur auf 7 Pötten läuft. Das ganze Dickschiff wabert hin und her. Der blaue Mock, der hinten rausdampft, lässt uns Schlimmstes erwarten.

Unser Hotel
Hotel gesucht und gefunden.

 

Der Schein trügt: das Hotel ist wirklich super!
Der Eingang - der Schein trügt, das Hotel ist wirklich klasse!

Zündkerzen soll man immer kalt tauschen und so lassen wir den Wagen vorm Hotel stehen und versuchen mit einem Team aus der Schweiz am nächsten Morgen die Biester vorsichtig rauszudrehen.

Keine Chance: die Dinger sitzen knüppelhart im Zylinderkopf. Da müssen wir wohl warten, bis wir eine weitere Werkstatt finden und brechen von Sankt Petersburg aus blubbernd auf Richtung Estland.

Man hilft sich gegenseitig.
Die Rally-Teams helfen sich untereinander, es herrscht eine tolle Atmosphäre.
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